Entstehungsgeschichte des Barsoi

история

Hiermit möchte ich ganz herzlich der Autorin Frau Ursula V. Trueb (Barsoizucht "de Norois") danken,

dass ich ihren tollen, äusserst interessanten Artikel auf meiner Homepage publizieren darf

(in Kurzform)

 

Das Buch (in ausführlicher Form und englischer Sprache) kann direkt bei der Autorin,

Ursula-Vera Trueb bestellt werden:

Ursula-vera.trueb@orange.fr

 

  

Der wellhaarige Windhund Russlands, heute in seiner Heimat Russkaya Psowaya Borzaya * genannt, gehört zu den ältesten Wind-

hundrassen, soweit unser heutiges Wissen reicht. Jahrhundertealte schriftliche Beschreibungen bekräftigen dies, spiegelt sich 

doch darin die Allgemeinerscheinung eines Hundes wieder, der im Wesentlichen den heute lebenden Rassevertretern entspricht.

Barsoi steht in Russland  lediglich für den "Windhund" allgemein

Russkaya Psowaya Borzaya

(Russkaya heisst Russischer, Psowaya steht für das lange, seidige Haarkleid, und Borzaya bedeutet schnell, flink)

 

Wenn wir die Vorfahren der Rasse mit einbeziehen, müssen wir die Geschichte bis ins 11. Jahrhundert zurückblättern. Zu je-

ner Zeit war der grösste Teil des Landes, des späteren Russlands, von Tataren besetzt. Sie waren im Verlauf von Jahrtau-

senden in Scharen aus Zentralasien über die traditionellen Einfallsgebiete der Oberen Wolga, der südöstlichen Steppenge-

biete und des nördlichen Kaukasus eingewandert und hatten die einheimischen Völkerstämme unterjocht. Es ist eine historisch

belegte Tatsache, dass die Eroberer aus Zentralasien Salukiähnliche Windhunde mitbrachten und der Hetzjagd auf Hase und

Fuchs in grossem Stil frönten. Sehr bald schon scheinen die einheimischen Russen dieses Tatarenvergnügen übernommen zu haben.

 

Nachstehend einige historisch fundierte Zeugnisse über die Existenz von Windhunden im fernen Südosten Europas bereits zu

Beginn des 11. Jahrhunderts.

 

Heinrich I. König von Frankreich (1031 - 1060) heiratete in zweiter Ehe Anna, Tochter des Kiever Fürsten Jaroslaw des Weisen

(1019 - 1054). Zu ihrer Mitgift gehörten drei Windhunde und es darf angenommen werden, dass diese dem damaligen im Südosten

weit verbreiteten Typ angehörten: kurzes Fell, seidig befranste Hängeohren und Rute.

 

Aus dem 15. Jahrhundert stammt ein interessantes Bild, das die Existenz eines Windhundes beweist, dessen Allgemeinerscheinung

ganz von jener der tatarischen Hunde abweicht. In einem Gebetsbuch, das Wassili III. (1479 - 1533) gehört haben soll, befindet

sich ein Bild des Fürsten auf Pilgerfahrt in einem Schlitten sitzend, neben dem drei Hunde laufen, die einem modernen Barsoi nicht

unähnlich sind: welliges Fell, schmaler Kopf, kleine spitze Ohren, lange säbelförmige Rute. Wassili III. war ein passionierter Jä-

ger und diese Tatsache dürfte die Anwesenheit der drei Windhunde auf dem Bild erklären.

 

Jedenfalls war es im 15. Jahrhundert in Russland üblich, Hetzjagden zu Ehren besonderer Gäste zu organisieren. Ein solcher

Gast war Sigmund Baron von Herberstein, der allererste Westeuropäer der das Land Moskowien von 1516 bis 1526 bereiste

und zwar als Gesandter und im Namen des Kaisers Maximilian I. (1459 - 1519). In seinem Reisebericht Rerum Moscoviticarum

Commentarii, erstmals 1549 in lateinischer Sprache veröffentlicht und in der Folge als erster Bestseller der Welt in sämt-

liche Sprachen der Zeit übersetzt, beschreibt Herberstein eine Jagdpartie zu der ihn Wassili III. und ein Tatarenfürst aus

Kazan, Scheich Ali, eingeladen hatten. Aus der recht langen und ausführlichen Beschreibung geben wir nachstehend lediglich

die zwei Sätze wieder welche die Windhunde beschreiben: "Wenn sie (die Jäger) die Hunde ins Gebüsch treiben, gehen sie

laut rufend nebeneinander damit ihnen kein Hase entkommt und auf der anderen Seite wartet man mit schnellen Hunden, die

sie Kurzi nennen." Und etwas weiter: "Manche (Hunde) braucht man nur für die Hasenjagd, man nennt sie Kurzi, schöne Tiere

mit befransten Ohren und Ruten, ausserordentlich scharf wiewohl nicht für allzu langes Laufen geeignet." Im übrigen geht

aus dem Text hervor, dass die von Herberstein beschriebenen Hunde dem Tatarenscheich Ali gehörten.

 

Der Bericht von Herberstein ist aus zwei Gründen von grossem Interesse. Erstens ist er ein Beweis dafür, dass man in

der Gegend um Moskau in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts mit tatarischen Windhunden jagte. Zweitens wird damit be-

stätigt, dass die Russen schon damals die Hetzjagd als Zeitvertreib von den Tataren, die über 200 Jahre lang Russland

bis hoch in den Norden hinauf besetzten, übernommen hatten.

 

Wassili III., der passionierte Jäger, war der Vater des ersten Zaren, Iwan IV. des Schrecklichen (1530 - 1584). Im Ver-

lauf seiner langen Regierung wurde die Jagd mit Windhunden zur beliebten Freizeitbeschäftigung des Adels und der Gross-

grundbesitzer. Die Entstehung des Barsois als eigenständige Rasse scheint hauptsächlich im Verlauf der 2. Hälfte des 16.

Jahrhunderts vor sich gegangen zu sein. Zu Beginn der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts war eine gewisse Stabilität der All-

gemeinerscheinung erreicht. Jedenfalls ersetzte der neue Windhundtyp die Tatarenhunde in Nord- und Zentralrussland.

Möglicherweise liegt die Wiege der Rasse in der Gegend um Kostroma und Jaroslawl an der Oberen Wolga, ein weitgehend

von Tataren besetztes Gebiet. Es wohnten dort aber auch einheimische Russen. Während nun die Erstgenannten peinlich die

Reinblütigkeit ihrer Windhunde behüteten, fehlte den Russen dafür sowohl die Tradition wie das Können: so mischten sie

hemmungslos Tatarische Windhunde mit allerlei lokalen Hundeschlägen - beileibe nicht immer Windhundnachkommen. Durch

eine rigorose Auswahl nach reinen Leistungskriterien und nicht zuletzt die bemerkenswerte Dominanz des alten durchge-

züchteten Windhunderbes, entstand ein schneller Hetzhund der die legendäre Wildschärfe der Tatarenhunde behalten

hatte aber dessen wärmere Decke ihn besser an die harten klimatischen Bedingungen anpasste. Schon sehr bald waren sie

durch ihre jagdliche Leistung weitum berühmt. So soll Zar Boris Godunow (1598 - 1605), selber tatarischer Abstammung,

den Schah von Persien eine Koppel dieser Windhunde geschenkt haben und 1619 sandte Zar Mikhail Fiodorowitsch (1613 -

1645), Begründer der Romanow-Dynastie, Leute nach Kostroma mit dem Auftrag, ihm einige wirklich gute Windhunde zu

besorgen.

 

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war es hoch in Mode gekommen, Windhunde aus dem naheliegenden Polen zu importieren.

Dies führte zu erneuten Kreuzungsversuchen, insbesondere mit dem Chort, selber das Produkt der Jahrhunderte zurück-

liegenden Begegnung der tatarischen mit westeuropäischen Windhunden vom Greyhound-Typ.

 

Die erneute Zugabe fremden "Blutes" hatte keine schwerwiegende Folgen auf die einheimische, russische Windhund-

population weil ja der Chort teilweise dasselbe Erbgut führte. Hier und dort mag die Zufuhr "neuen Blutes" eine

Verkürzung der Fellpracht zur Folge gehabt haben, doch der Chort verlieh dem russischen Windhund auch eine ge-

wisse Eleganz.

 

Die erste schriftliche Beschreibung eines Windhundes dessen Allgemeinerscheinung derjenigen eines Barsois entspricht,

stammt aus dem Jahr 1635. Der Autor, ein Deutscher aus Riga (der Hauptstadt Lettlands) schrieb das Original in seiner

Muttersprache und widmete es unter dem Titel "Jagdregeln" dem jungen Zaren Alexis Mihailowitsch (1629 - 1676) der

eben, mit knapp 16 Jahren, zum Kaiser von Russland gekrönt worden war. Zwar ging die deutsche Originalfassung ver-

loren, aber ein russischer Edelmann aus Smolensk, namens Arkadij Stankewitsch, hatte davon eine Uebersetzung ins

Russische übertragen; diese Uebersetzung wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Buchform veröffentlicht.

 

In Bezug auf den Barsoi sind die "Jagdregeln" ein äusserst wertvolles Dokument, denn die Beschreibung des offenbar

damals besten Windhundes beweist, dass es zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Russland eine eigenständige wenn auch

noch relativ junge Windhundrasse gab. Die wichtigsten Punkte seien im folgenden hier zitiert: "Du muss Dir einen

stattlichen Hund vorstellen, der nach den folgenden Kennzeichen auszusuchen ist: der Kopf soll trocken und länglich

sein, ohne Stirnabsatz, mit spitzem fliehendem Schädel; der Fang muss in der Länge dem Schädel entsprechen und wenn

er eine kleine oder gar ausgesprochene Wölbung aufweist, so stört dies nicht so lange der Unterkiefer nicht kürzer als

der Oberkiefer ist; die Augen sollen gross und auffallend, das Näschen gut entwickelt und schwarz sein; der Rücken

rundlich, der Brustkorb tief und flach, dabei kompakt, kräftig und bis unter die Ellbogen reichend; die Kruppe soll

so breit sein, dass vier Finger darauf Platz finden; der Rüde hat steil gestellte, lange, schlanke und straffe Schenkel;

auch die Hündin hat ziemlich lange Keulen, runde und dralle Muskeln und kräftige Lenden; die Läufe sind trocken, die

vorderen gerade mit parallel zum Körper, nach hinten gerichteten Ellbogen, alle vier ohne jegliche Schwäche; die

Zehnnägel sind hinten und vorne gleich; die Pfoten sind kurz und gut aufgeknöchelt. Die Rute ist lang und sichelförmig,

das Haar lang und gewellt. Ich sage nicht nur, dass diese Hunde schnell sind, sondern behaupte: verwegen schnell.

Haben aber Hunde nicht die beschriebenen Kennzeichen, sind sie nicht schnell und keine guten Fänger; selten gibt

es unter jenen solche die Jagdleidenschaft zeigen oder behende sind. Diese Beschreibung soll es Dir ermöglichen, die

schönsten und verwegen schnellsten Hunde für Dich auszusuchen."

 

Trotz Krieg und Terror nahm die Anzahl der Barsoi-Jagden im 17. Jahrhundert stetig zu. Angesichts der immensen Ent-

fernungen und der fehlenden Kommunikationsmöglichkeiten, entstand eine Vielfalt von Typen insbesondere was die Kopf-

formen, die Grösse, die Länge des Fells und die Farben betrifft. Der anatomische Grundriss hingegen hatte sich mitt-

lerweile recht gut stabilisiert, dank eines selektiven Zuchtvorgehens, das praktisch nur auf die Leistung im Feld aus-

gerichtet war.

 

Nachdem nun im Lande eine weit herum gestreute Basis vorhanden war, ist es kaum verwunderlich, dass die Hetzjagd mit

Barsois mehr und mehr zum gesellschaftlichen Vergnügen wurde. Bei jenen, die es sich leisten konnten, ging es diesbe-

züglich manchmal echt toll zu. Beispiel: Im Schwedisch-Russischen Krieg (1700 - 1721) liess sich Feldmarschall

Scheremetjew von seinen Jägern, Pikören, Barsois und Laufhunden begleiten, um zwischen zwei Kriegsmanövern

seiner Passion fröhnen zu können.

 

Unter der Zarin Anna Iwanowna (1730 - 1740) waren allerlei Kreuzungsversuche mit neu "entdeckten" und importierten

Rassen wie dem Englischen Greyhound und dem Irish Wolfhound zahlreich und weitverbreitet. Die Experimente auf

diesem Gebiet wurden über Jahrzehnte fortgesetzt und brachten manchmal erstaunliche Ergebnisse. So war der

damals weitum berühmte Barsoi-Rüde "Zwjer", gew. 1794 in der Jagd des Fürsten G.E. Barjatinski, das Produkt eines

Irish Wolfhound-Rüden und einer Barsoi-Hündin. Zwjers Grösse und Kraft erlaubten ihm im Alleingang einen ausge-

wachsenen Wolf zu töten!

 

Kaiserin Elisabeth (1741 - 1762), Tochter Peters des Grossen, nahm ihrerseits aktiv an vielen grossartigen Hetzjagden teil,

die sie auf ihrem Gut Pokrowski bei Moskau organisierte. Doch die grösste Jagd aller Zeiten (allein an die 1000 Wind-

hunde!) dürfte jene des pensionierten Brigadiers Samsonow, der im 18. Jahrhundert in Smolensk am Dnjepr lebte, gewesen

sein. Samsonow unterschrieb denn auch stolz offizielle Dokumente mit der Bemerkung "Erster Jäger Russlands".

 

Der Türkische Feldzug im Jahre 1828 hatte zur Folge, dass aus dem Süden Krimwindhunde, eine etwas gröbere Aus-

führung des Bergwindhundes, nach Norden heimgebracht wurden. Auch ihnen wurde Gelegenheit gegeben, das Erbgut

des Barsoi zu bereichern.

 

Bis 1842 waren schriftliche Beweise über Windhunde im allgemeinen und den Barsoi im besonderen selten. In diesem

Jahr aber öffnete eine Zeitschrift über Landwirtschaft und Jagd ihre Kolonnen den Barsoi-Züchtern und Besitzern,

was einen aktiveren Meinungsaustausch zur Folge hatte.

 

Auf Anregung von W.A. Scheremetjew wurde 1873 die Kaiserliche Gesellschaft zur Verbreitung der Jagdhunde wie

regelrechter Jagdführung gegründet, deren Mitglieder hauptsächlich Züchter und Jäger aus Moskau und den umlie-

genden Gebieten waren.

 

Um die Qualität der Hunde einzuschätzen, die das Massaker überlebten, das nach der Aufhebung der Leibeigenschaft

durch Zar Alexander II. (1855 - 1881) stattgefunden hatte (da plötzlich unentgeltlich keine Arbeitskräfte mehr zur

Verfügung standen, löste eine Grosszahl der Gutsbesitzer ihre Jagden auf und zogen in die Stadt. Zu aber tausenden

wurden die Barsois getötet und ihre Haut zu besonders feinem Handschuhleder verarbeitet), organisierte die Kaiserliche

Gesellschaft Ausstellungen und Probejagden. Dann, 1888, beauftragte sie den Experten Jermolow eine Beschreibung des

idealen "Wellhaarigen Barsoi" aufzusetzen. Dieser erste Standard blieb über 30 Jahre gültig.

 

In den tonangebenden aristokratischen Kreisen von Moskau und St. Petersburg blühte das Interesse an der Hetzjagd

langsam wieder auf. Jedoch in den weit abgelegenen, östlichen Provinzen, fern von den politischen und sozialen Er-

schütterungen war viel beim Alten geblieben. In der Tat wäre die Erhaltung und Entwicklung des Barsoi eher diesen

ländlichen Grossgrundbesitzern gutzuschreiben als der Kaiserlichen Gesellschaft. Sie lieferten nämlich den herrschaft-

lichen Zuchten in Moskau und St. Petersburg die Hunde auf denen berühmte Jagdzüchtereien wie zum Beispiel Perschino

aufgebaut wurden.

 

Ende des 19. Jahrhunderts war das Interesse für den Barsoi so gross geworden, dass die Redaktionen der Jagdpresse

mit Artikeln über Windhunde, Zucht, Haltung, Training, Ausstellungen und Jagdprüfungen überschwemmt wurden. Es

erschienen damals auch etliche Bücher über die Entstehung der Windhunde im allgemeinen und des Barsois im besonderen.

 

Eine zu jener Zeit, besonders im Ausland, gut bekannte Zuchtstätte war jene von Perschino, so genannt nach dem benach-

barten Dörfchen. Gegründet wurde sie 1887 von Grossfürsten Nikolai Nikolaiewitsch und 1912 wieder aufgelöst.

 

Das allgemeine Interesse für die Jagd mit Barsois nach alter Vätersitte schwand wieder anfangs des 20. Jahrhunderts.

Verantwortlich dafür war in erster Linie eine Verfügung der Duma (die als staatliches Gremium befugt war Gesetze zu

erlassen). Sie bestimmte, dass fortan Hetzjagden ausschliesslich auf dem eigenen Land veranstaltet werden durften, so-

fern dafür mindestens 150 Hektare zur Verfügung standen. Es war dies ein schwerer Schlag was die weitere Zukunft

des Barsois betraf.

 

Die anschliessende Revolution (1917) und ihre Folgen - Bürgerkrieg, Verarmung, Hungersnot - gab dem Barsoi um ein

Haar den Gnadenstoss, hätten sich nicht einige Liebhaber für das Fortbestehen der Rasse eingesetzt. So blieben,

allen Schrecken und Problemen unter dem neuen Regime zum Trotz, Krümel der früheren Herrlichkeit erhalten.

 

Der 2. Weltkrieg (1939 - 1945) vernichtete weitgehend was nach und nach wieder aufgebaut worden war. Zum Glück

merkte die Jägerschaft auf dem Lande, dass ein guter Barsoi im Feld die Flinte und teure Munition ersetzen kann.

Dieses materialistische Interesse am Barsoi trug weitgehend dazu bei, dass der Barsoi als Rasse überhaupt erhalten

blieb. Es fanden einmal mehr, allerlei Versuchskreuzungen mit anderen Hunden statt, die jedoch bald wieder einge-

stellt wurden, da sie alles in allem nichts brachten. Neben diesen neuzeitlichen Kreuzungsprodukten blieb glücklicher-

weise eine verschwindene kleine Anzahl reinblütiger Barsois erhalten. Dennoch, die Zukunft war düster, "neues

Blut" war dringend notwenig um einer totalen Degeneration Einhalt zu gebieten. Der erste Import kam 1942 aus

Deutschland. Die Hündin Femina-Quick Molodjez DWZB 7770, gew. am 15. Februar 1941 brachte über ihre Eltern

Attila Molodjez DWZB 7346 und Katschar's Quick DWZB 6996, ein äusserst kostbares Erbe in die Heimat der

Rasse zurück. Leider starb Femina zu früh an einer infektiösen Krankheit (es gab damals in Russland keine Im-

pfungen!), doch brachte sie immerhin zwei Würfe, woraus "Gordij" (Vater: Kidai / Komarowa) ein hervorragender

Zuchtrüde werden sollte, dessen Name immer wieder auf der Ahnentafel erstklassiger Barsois zu finden ist.

    

Femina-Quick Molodjez                                                                     Gordij                                                                         Kidai

Der zweite Import kam kurz nach Kriegsende. Es war ein Rüde dessen Benennung eine recht verworrene Sache ist,

die hier ein für allemal klargestellt werden soll. Ursprünglich hiess er Hermelin von der Alck DWZB 8629, gew.

am 2. Juli 1947, Züchter: Claire von Alck, Berlin, Vater: Götz vom Silberhof, Mutter: Jambo vom Silberhof. In

Russland wurde der Rüde zuerst unter dem Namen Hermelin vom Silberhof eingetragen und danach auf Oriel I.

umgetauft. Er war ein enggezüchteter Nachkomme von Asmodey und Ptitschka Perschino, die kurz vor dem 1. Welt-

krieg aus Russland nach Deutschland gekommen waren. Kein Wunder, dass Hermelin/Oriel I. eine hervorragende

Nachzucht hinterliess.

    

Hermelin von der Alck                                                   Asmodey Perschino                                                     Ptitschka Perschino

Der dritte Barsoi, der den Weg zurück in die Heimat fand, war ebenfalls ein Rüde, diesmal aus der Tschechoslowakei:

Amur von der Kaiserpfalz CsHPK VaB 5-D, gew. am 29. März 1959. Züchter: Gerhard Breternitz, Ranis (Thüringen)

DWZB Bd XIX 11637 (Xakor Wergei - Xilla Wergei). Er starb leider im besten Alten an einer chronischen Leber-

krankheit, hatte jedoch Gelegenheit mehrere Hündinnen zu decken und somit die Barsoi-Zucht Russlands recht ein-

drücklich zu beeinflussen.

  

Amur von der Kaiserpfalz                                                           Xakor Wergei

Nach dem 2. Weltkrieg (1939 - 1945) nahm die Zahl der Barsois in Moskau, St. Petersburg und den östlichen Steppen-

gebieten zwischen Dnjepr und Don langsam aber sicher zu. Die Teilnahme an offiziellen Feldprüfungen und Ausstel-

lungen, wo die Spreu vom Weizen gesondert wurde, verhalf der Rasse zu neuem Aufschwung.

 

In den 70er Jahren und den folgenden Jahrzehnten kamen etliche weitere Barsois aus dem Westen. Darunter die in der

Schweiz gezüchtete Barynia de Norois, gew. am 22. Februar 1975. Diese schwarz-weisse Hündin sollte berufen sein,

die Zucht des Barsois in Russland massgeblich zu beeinflussen; bis auf den heutigen Tag sind ihre Nachkommen durch

ihre edle Allgemeinerscheinung geprägt und begeistern durch ihre jagdlichen Leistungen.

Barynia de Norois

Heute (1998) gibt es in Russland wieder tausende von Barsois, deren grösste Zahl im Herbst mit derselben Begeisterung

wie ihre Vorfahren hinter dem schnellen "Russak" und anderen Langohren herlaufen.

 

  

Bolderev-Trio-Lowres

 

Sumarokova Nina                                                                           Cyclone Perschino (1916)

 

Kidai                                                                                     Nagrashdai

 

Pobedim I                                                                             Tscharodej

 

Ugar und Krylat                                                                                                                      

 

                                                                                                                                               LESTA Perschino 1910

Typus der Barsois, der ersten Jagd von Perschino

 

 

   

 

 

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